AVATARA

Christof Ressi, Österreich

Kurzoper für zwei Sängerinnen, Ensemble, Live-Video-Projektion &  Live-Elektronik

Preisträger*innen-Werk des 8. Johann-Joseph-Fux-Opernkompositionswettbewerbs des Landes Steiermark


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Uraufführung im Rahmen von steirischer herbst / ORF musikprotokoll:

Sonntag, 9.10.2022, 19:30 Uhr @MUMUTH, György-Ligeti-Saal

 

Weitere Aufführungen:

Montag, 10.10.2022, 18.00 Uhr @MUMUTH, György-Ligeti-Saal
Mittwoch, 12.10.2022, 18.00 Uhr @MUMUTH, György-Ligeti-Saal

Avatara bezeichnet im Hinduismus die Manifestation einer Gottheit, meist Vishnu, in der Gestalt eines Menschen oder Tieres und wird im übertragenen Sinne auch als Ausdruck der Bewunderung für Menschen mit außergewöhnlichen Fähigkeiten oder Ideen gebraucht. Der Wunsch, den physischen Körper zu verlassen bzw. eine andere physische Form anzunehmen, ist ein Archetypus, auf den man in allen Zeiten und in allen Kulturen stößt. Er spiegelt sich in den zahlreichen Legenden von Göttern, Geistern und anderen Wesen, die beliebige physische Formen annehmen können, und reicht von der griechischen Mythologie bis hin zur aktuellen Science-Fiction-Literatur.

In der jüngeren Gegenwart erhielt der Begriff eine neue, zusätzliche Bedeutung: ein Avatar ist die grafische Repräsentation eines Benutzers innerhalb eines ansonsten anonymen Computersystems. Darunter fallen u. a. Internet-Foren, Chat-Plattformen, Social-Media-Netzwerke oder Computerspiele. Der User kann seinen Avatar meist individuell gestalten und soll sich mit ihm identifizieren. Für manche Menschen bietet dies die Möglichkeit, innerhalb einer virtuellen Welt ein alternatives Leben zu führen und darin teils bewusst, teils unbewusst Phantasien, Wünsche und Träume auszuleben. Dies ist besonders in Online-Rollenspielen wie World of Warcraft oder Second Life zu beobachten: Die meisten User gestalten ihren Avatar nicht nach ihrem realen Aussehen, sondern schlüpfen in die Körper von Superhelden, Fabelwesen, Tieren, Pflanzen, Robotern. Manche nehmen auch eine andere Geschlechteridentität. Die Frage nach der menschlichen Identität in einer virtuellen Gesellschaft ist Gegenstand verschiedener Forschungsgebiete und wird insbesondere im Rahmen der sogenannten Technoself-Studies untersucht.

Schließlich bezeichnet der Begriff Avatar auch die optische Erscheinung virtueller, computergesteuerter „Persönlichkeiten“. Pop- und Rockgruppen haben bereits früh begonnen, in Verkleidung aufzutreten und spezifische Bühnenpersönlichkeiten zu entwickeln. Die Band Kraftwerk ging sogar so weit, in ihren Live-Shows sich selbst durch eigens angefertigte Roboter zu ersetzen. Diese Tradition wurde von der virtuellen Pop-Band Gorillaz fortgeführt, die vom Sänger der Brit-Pop-Band Blur ins Leben gerufen wurde und deren fiktive vier Mitglieder in den Musikvideos und auf der Bühne ausschließlich als Zeichentrickanimationen auftreten. In Japan führte man dieses Prinzip ad absurdum, in dem man mit Hatsune Miku eine rein virtuelle Pop-Sängerin entwarf, deren Gesang mithilfe einer Audiosoftware am Computer erzeugt wird und deren Texte teilweise von den Fans selbst geschrieben werden. Hatsune Miku tritt live üblicherweise als 3D-Hologramm auf und wird von einer Live-Band begleitet.

Der Durchbruch in der Virtual-Reality-Technologie in den letzten Jahren hat dem Konzept des Avatars eine völlig neue Dimension verliehen. Menschen können nun mit VR-Headsets in virtuelle 3D-Welten eintauchen und dort anderen Menschen begegnen. Der Avatar ist nun nicht mehr nur ein kleines Bild auf einem Chat-Account oder eine entfernte Figur in einem Computerspiel, sondern ein virtueller Körper, der für den Benutzer unmittelbar und aus nächster Nähe erfahrbar ist. Die philosophischen, gesellschaftlichen und ästhetischen Fragen und Probleme, die dadurch aufgeworfen werden, sollen im Musiktheaterwerk Avatara mit den Mitteln der Kunst behandelt werden. Dabei geht es weder um eine naive Affirmation technologischen Fortschritts, noch um reflexartige Kritik und Kulturpessimismus. Stattdessen sollen Thesen des Post- und Transhumanismus im Kontext von Virtual-Reality kritisch untersucht und auf die spezifische Situation einer Musiktheateraufführung angewandt werden.

| Foto: Alexander Wenzel, KUG
| Foto: Alexander Wenzel, KUG

Handlung

Der Wunsch, den eigenen Körper zu verlassen und eine andere physische Form anzunehmen, ist ein Archetyp, der sich durch alle Epochen und Kulturen zieht. Er spiegelt sich in den zahlreichen Legenden von Göttern, Geistern und anderen Wesen, die ihre Gestalt beliebig ändern können, und erstreckt sich von der griechischen Mythologie bis zur zeitgenössischen Fantasy-Literatur.

Mit der Entwicklung interaktiver digitaler Medien wurde diese Utopie zur (virtuellen) Realität: User:innen gestalten ihre Avatare oft nicht anhand ihres realen Aussehens, sondern schlüpfen lieber in die Körper von Superhelden, Fabelwesen, Tieren, Pflanzen oder Maschinen. Dies erlaubt den Menschen, die Beschränkungen des eigenen Körpers, Alters und biologischen Geschlechts – zumindest vorübergehend – zu überwinden und eine Identität anzunehmen, die den ureigensten Wünschen und Fantasien entspricht. Gleichzeitig versuchen Großunternehmen die Versprechungen der virtuellen Realität in lukrative Geschäftsmodelle umzuwandeln und entwerfen das Metaverse als futuristisches Großraumbüro, eskapistische Wohnzimmerkulisse oder immersive Shoppingmall.

Im Zentrum der Oper Avatara steht die Frage nach dem Wesen der menschlichen Identität im Spannungsfeld zwischen physischer und virtueller Realität. Zwei namen-, alters- und geschlechtslose Personen befinden sich in unterschiedlichen virtuellen Welten, die auf merkwürdige Weise miteinander verbunden scheinen. Durch Zufall (oder Schicksal?) werden sie einander für kurze Zeit gewahr und verlassen ihre vertraute Umgebung, um in einer Irrfahrt durch Raum und Zeit zu ihrem Gegenüber – und damit zu sich selbst – zu finden.

Besetzung

Mezzosopran (A)

Ellen Rose KELLY
Christine RAINER (10.10.)

Sopran (B)

Melis Burcu DEMIRAY
Marija-Katarina JUKIĆ (10.10.)

Flöte

Aleksandra SKRILEC

Klarinette

Cristian MOLINA-AVILA

Saxophon

Sabrina MARITSCHNIG

Trompete

Nikola VUKOVIC

Posaune

Chloé Marine RYO

E-Bass / Double Bass

Konrad WALDERT

Keyboard

Ana OSTOJIĆ

Percussion 1 (Marimba, Vibraphon, Cinellen)

Reed Tyler PULEO

Percussion 2 (Drumset)

Jan-Samson KRIZANIK

Violine 1

Pablo ALBARRACIN ABELLÁN

Violine 2

Alona PYNZENYK

Viola

Natalia-Cordelia BADZIAK

Cello

Irati GOÑI LEOZ

| Foto: Alexander Wenzel, KUG
| Foto: Alexander Wenzel, KUG
| Foto: Alexander Wenzel, KUG

Musikalische Leitung

Wolfgang HATTINGER

Szenische Einrichtung basierend auf einem Konzept von

Krzysztof GARBACZEWSKI

Virtual Reality Design

Yunnai ZHANG *

Virtual Reality Programmierung & Kameraführung

Alisa KOBZAR

Video Design

Peter VENUS

Live Elektronik & Sound Design

Christof RESSI

Klangregie

Ulrich GLADISCH

Ton

Alexander ZWIERZINA

Kostüm

Yunnai ZHANG *

Assistenz & Virtual Reality Kameraführung

Anna FACHBACH *

3D Prototyping & Modeling Support

Bernhard BAUER

Künstlerische Betreuung PPCM vokal

Holger FALK

Produktionsleitung, Inspizienz

Alexander IRMER

Korrepetition

Tatiana MAKSIMOVA
Raphael FUSCO
Gianni KRISCAK
Daniele PIATTELLI

Übertitel

Alexander IRMER

Übertitel-Korrepetition

Oksana VAKULA *

Schneiderei

Elke PODENSTORFER

Technische Leitung

Peter FISCHER

Bühnentechnik

Philipp FARASIN +
Benjamin HAFNER +
Stefan KIENREICH
Jürgen MACEK
Corinna SEPPER

Orchesterbetreuung

Ursula FLEISCHHACKER
Julian Murillo VIDAL
Alexander WIEDENHOFER

Wettbewerbsbüro

Britta REININGHAUS
Tobias HOFFMANN

* Studierende
+ Lehrlinge

Medien

>>TIPP: AVATARA auf  Ö1 Zeit-Ton am 31.10.2022

>> ORF musikprotokoll

>> 3Sat Kulturzeit (ca. ab Minute 20:32) - verfügbar bis 5.11.2022

>> Kultur | matinee am Sonntag am 2.10.2022

Über Christof Ressi